4.7
Armin und Katja stehen mit einem Koffer am Bahnhof. Ein Mann kommt näher. Der Mann zieht eine Photographie aus seiner Tasche und sagt: "Entschuldigen Sie, aber kennen Sie diesen Mann?"
Armin und Katja schauen sich die Photographie an.
Katja sagt: "Wer ist dieser Mann?"
Armin sagt: "Wer sind Sie?"
Der Mann sagt: "Ich heiße Haser, Fahndungskommission Stadt 1. Der Mann auf diesem Bild ist ein geistig verwirrter Ausbrecher, der möglicherweise mit der Bahn aus der Stadt fliehen will."
"Hatte er denn einen Grund zu fliehen?"
"Nein, ich weiß es nicht. Er war schon einige Jahre inhaftiert und wäre demnächst in eine offenere Anstalt untergebracht worden. Mir persönlich ist das alles ein Rätsel."
"Wir kennen diesen Mann nicht."
"Trotzdem Danke für Ihre Aufmerksamkeit."
Der Mann geht zu einer Frau.
Armin sagt: "Ein armer Narr bricht aus seiner sicheren Unterkunft aus, weil sie ihm mehr Freiheit schenken wollen."
Katja sagt: "Meinst du wirklich? Er hat nun das Gegenteil, nämlich noch mehr Freiheit."
"Nur scheinbar. Schließlich wird er verfolgt."
"Und wenn es ihm gelänge, seinen Verfolgern zu entfliehen?"
"Ihm würde seine Hilflosigkeit bewusst."
"Armin, wir spekulieren hier über einen Irren, von dem wir nichts kennen, außer sein Photo."
"Wirklich? - Spekulieren wir nicht über ihn, weil wir genau wissen, dass es uns genauso ergehen könnte? Wer ist verrückt?"
"Wir verreisen an einem schönen Sommertag. Sind wir verrückt?"
"Vielleicht."
"Vielleicht auch nicht."
"Wir gehen nicht mehr zur Arbeit, ich zerquetsche den Zeitwert, werde des Mordes verdächtigt, liebe Vanelin, du liebst mich, wir leben. Sind wir verrückt Vanelin, sind wir verrückt?"
"Sollten sie uns einsperren?"
"Ja, das sollten sie. Drum lass uns glücklich sein, dass sie uns noch nicht entdeckt haben."
"Du machst mir Angst."
"Vor mir?"
"Vor allen."
"Ich hatte sie schon fast vergessen, die Angst vor allen."
"Wie mächtig sind sie? Wann können sie uns finden? Was können sie mit uns machen?"
"Ihre Macht wächst mit deiner Angst. Vor ihnen brauchst du keine Angst zu haben. Sie haben Gefängnisse. Sind deine Gedanken schon von der Angst umhüllt?"
"Armin, sie können uns nicht einsperren."
"Nein."
"Danke."
Zwei Polizisten kommen zu Katja und Armin.
Einer sagt: "Sind Sie nicht Armin?"
Armin sagt: "Das ist mein Name."
"Was machen Sie hier? Sie wissen, dass Sie die Stadt nicht verlassen dürfen."
Eine Stimme sagt: "Achtung, Achtung. An Gleis eins hat jetzt Einfahrt Stadtexpress aus der Stadt an den grünen See. Bitte Vorsicht bei der Einfahrt."
Armin sagt: "Was wollen Sie tun?"
Ein Polizist sagt: "Wir werden sie in vorläufig in Gewahrsam nehmen. Und wer sind Sie?"
Katja sagt: "Ich heiße Katja. Ich kenne Armin von der Arbeit. Ich bin krank und will einige Tage auskurieren."
"Das müssen Sie jetzt alleine machen."
"Worum geht es denn überhaupt?"
"Armin steht unter Verdacht, seine Mutter ermordet zu haben."
"Aber ich bitte Sie. Armin ist kein Mörder."
"Das haben wir auch gar nicht gesagt. Aber er könnte einer sein."
Armin sagt: "Könnten wir dann nicht alle Mörder sein?"
Ein Polizist sagt: "Theoretisch schon, aber die Wahrscheinlichkeit ist bei Ihnen im Moment einfach zu groß. Kommen Sie mit."
Die Polizisten nehmen Armin an der Hand. Er reißt sich los und läuft zum Gleis hinunter. Der Zug kommt näher. Die Polizisten laufen ihm nach. Sie drücken ihn vom Gleis zurück. Der Zug fährt ein.
Ein Polizist sagt: "Jetzt haben wir noch einen anderen Grund: Wir müssen Sie vor sich selbst schützen."
Katja sagt: "Armin, du hast dich angelogen. Deine Angst war nur zugedeckt."
Ein Polizist bindet Armin mit einer Handschelle an sich. Die Polizisten gehen mit Armin vom Bahnsteig. Katja setzt sich.
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