3.1
Armin ist bei der Frau zu Hause.
Er sagt: "Wie heißt du?"
Sie sagt: "Ich heiße Katja."
"Aha, Katja, Katja... Du heißt also Katja. Ich werde dich Vanelin nennen - wollen wir uns lieben?"
Katja sagt: "Ich muss morgen früh aufstehen. Versteh mich bitte nicht falsch. Es ist nur... ein bisschen plötzlich. Vielleicht gehst du besser bald?"
"Ich muss morgen auch früh aufstehen."
"Also - gehst du dann?"
"Ich kam doch gerade erst. Lass uns nicht schon über das Gehen sprechen."
"Aber es muss sein. Ich meine - nichts gegen dich, aber wir haben doch beide eine Arbeit, die von uns fordert..."
"Möchtest du mich nicht mehr sehen? Bin ich dir schon über? Verachtest du mich?"
"Nein, aber die Uhr"
"ist dir wichtiger als ich es bin?"
"Nein."
"Gib mir deine Uhr, Vanelin."
Sie nimmt ihre Armbanduhr ab und sagt: "Bitte."
Er nimmt seine und ihre Armbanduhr, den Wecker und die Wanduhr und schichtet sie in der Zimmermitte zu einem Haufen.
Er sagt: "Siehst du es?"
Sie sagt: "Armin, was machst du?"
"Siehst du es, das Bild der Zeit, unseren Imperativ?"
"Armin?"
"Irgendwo in diesen Zeigerwerken versteckt sich ein kleiner, grinsender Simon says: macht, geht, schafft. Nie ein verweilt."
"Aber die Zeit ist wichtig!"
"Wirklich? Ist die Zeit überhaupt? Nein, sie verstreicht, rinnt durch unser aller Hände, macht mit uns was sie will."
"Armin, ich weiß nicht, was du sagen willst, aber ich weiß, dass ich morgen früh aufstehen muss, um pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen."
"Was passiert, wenn du nicht kommst?"
"Ich werde entlassen."
"Riecht dieser Satz nach Freiheit?"
"Er riecht nach Armut"
"und nach Freiheit."
Er nimmt ein Feuerzeug und verbrennt die Uhren.
Sie sagt: "Was hast du getan?"
Er sagt: "Küss mich und spüre die Freiheit des Augenblicks, wo eben noch die Zeit diktierte."
"Du bist gemein. Erst diktierte die Zeit, jetzt diktierst du."
"Nur bis du begreifst."
"Wenn ich nicht begreife, dein Glück verschmähe und lieber im heiligen Unglück sterbe, was dann? Du wirst mich verurteilen."
"Ich weiß nicht."
"Kennst du Machiavelli?"
"Nicht persönlich. Küss mich!"
"Du hast mich von der Uhrzeit befreit - für den Augenblick - ein Versuch - hast du dich selbst schon befreit?"
"Das ist ein Prozess, der seine Zeit dauert."
Sie fällt ihm lachend in die Arme und sagt: "Lass uns die Nacht leben!"
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