1.1
Armin und die Mutter sitzen mittags an einem Tisch. Die Mutter isst, während Armin auf seinen gefüllten Teller sieht.
Die Mutter sagt: "Hast du keinen Hunger?"
Armin sagt: "Warum hast du mich geboren? - Du hast mich doch geboren, oder?"
"Ja?!"
"Gab es dafür keinen Grund?"
Die Mutter beendet ihr Essen und zündet eine Zigarette an.
Sie sagt: "Doch, sicher. Ich wollte ein Kind bekommen. Wieso fragst du?"
Er sagt: "Aha, und das ist alles?"
"Ich wollte ein Kind bekommen, denn ich wollte einen Teil meiner Eigenschaften, meiner Gene weitergeben..."
"Wie eitel."
"...und ich wollte ausprobieren, ob ich eine bessere Mutter sein kann, als meine eigene es war."
"Wie überheblich."
"Der Vater war natürlich auch dafür."
"Wie feige."
"Aber ich wollte natürlich auch ein Kind, allein wegen der Freude, die es macht, jeden Tag das Wachsen, das Entwickeln zu beobachten."
"So bleibst du eitel, überheblich, feige und quälend. Hast Du mich, mich, das Kind selbst, das du gebären wolltest, je gefragt, ob es überhaupt geboren werden wollte? Ich bin seit dreizehn Jahren auf der Welt, auf deiner Welt. Es wurde alles immer schlimmer. Die Sorgen und Probleme erstickten irgendwie jede Freude am Leben, das Leben selbst. Ich kann mich nicht an die Zeit vor der Geburt erinnern, aber sie muss sehr schön gewesen sein."
"Was du nur wieder redest."
Sie zieht an der Zigarette und drückt sie dann aus.
Armin sagt: "Bestreitest du es etwa? Was ist falsch?"
Die Mutter sagt: "Wie könnte ich dich, dich Dreizehnjährigern, ernst nehmen. Morgen hast du wieder andere Fragen."
"Verschließe nur deine Augen, deine Ohren und ertränke dein Hirn."
Er geht.
Sie sagt: "Du willst doch nur vom Chaos in deinem Zimmer ablenken."
Eine Zimmertür klappt.

zurück

nächstes Kapitel