| Die Socke |
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In siedendem Wasser erblickt sie das Licht
der Hallenfabrik und kein Muttergesicht
Eine zweite Socke, die rein visuell
zu ihr passt, wird mit ihr am Fließband schnell
verkuppelt, zum ewigen Paar bestimmt
zusammengetackert, so endet das Kind
in der Socke
Mit anderen Paaren hängt sie im Frühling
nackt im Kaufhaus, wo kaum Zeit verging,
dabei mochten sich links und rechts nichtmal
mit Hemden der Sommer im Grabbelregal
der Herbst, als man sie zu den Strümpfen lässt
verkauft wird sie kurz vor dem Weihnachtsfest
für zwei neunzig
Verpackt, verschickt und verschenkt legt man sie
als Gabe neben den Hund und die Ski,
verlegen begafft wartet sie eine Zeit
am kommenden Morgen beginnt die Arbeit
treu und ergeben vollbringt sie die Pflicht
schützt und wärmt Schweißfüße und jammert nicht
nur ganz leise
Lange erträgt sie die giftigen Dämpfe
die unapplaudierten Waschtrommelkämpfe,
das Leben ganz ohne Beachtung und Lohn
doch sie wird alt, nach drei Monaten schon
verblasst ihre Farbe, kurz überdacht
wird sie zur Altkleidersammlung gebracht
früh am Morgen
Nach Afrika führt sie der steinige Pfad
ihr Dasein als Rentnerputzlappen ist hart
fernab der Heimat, von Kindern gequält,
von Schuhcreme besudelt, zerrissen, entseelt
so endet sie einsam, wie es kommen muss
im schlammigen Ufer von dem großen Fluss
ohne ein Grab
Da stapft aus dem Fluss ein kleines Krokodil,
geht zu der Socke und sagt:
"Du bist aber eine dumme Socke.
Was hast Du denn nun davon gehabt?
Das Sockenparadies?"
Es verbuddelt die Socke und lacht froh auf,
selbst keine Socken nötig zu
haben. |
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